Patrizia Casagranda
Patrizia Casagranda (*1979 in Stuttgart) ist eine deutsch-italienische Künstlerin und lebt und arbeitet in Krefeld. Nach ihrer Ausbildung bei dem Künstler Thomas Dürr studierte sie Design an der Hochschule Niederrhein und schloss ihr Diplom 2002 mit Auszeichnung ab. Anschließend arbeitete sie als Art Director unter anderem in Krefeld, Düsseldorf und Venlo und realisierte Buchprojekte in Zusammenarbeit mit Künstlern wie Günther Uecker und Markus Lüpertz. Seit 2016 ist sie freischaffend tätig.

„Umarme deine eigene Stärke – und die ganze Welt verändert sich.“
Johanneskirche Düsseldorf
25. September bis 8. November 2026
Vernissage am 25. September 2026
um 19:00 Uhr

International bekannt wurde Patrizia Casagranda durch ihre expressive Verbindung von Collage, Malerei, Street Art und Typografie. Charakteristisch für ihre Arbeiten sind reliefartige Oberflächen aus recycelten Materialien wie LKW-Planen, Jutesäcken, Kartonagen oder alten Stoffen, die sie mit bis zu fünfzehn Schichten bearbeitet. Im Zentrum vieler Werke stehen starke
weibliche Figuren sowie Themen wie Diversität, Nachhaltigkeit, Vergänglichkeit und gesellschaftlicher Wandel.
Ihre Arbeiten wurden international in Galerien, Museen und auf Kunstmessen gezeigt, darunter bei der Biennale in Venedig, der Art Expo New York, Art Miami, der Florence Biennale
sowie in Ausstellungen in Frankreich, Italien, den USA und China.
Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche internationale Preise und Auszeichnungen, darunter mehrfach den Lorenzo il Magnifico Award der Florence Biennale sowie den International Art Prize Michelangelo.
„Umarme deine eigene Stärke – und die ganze Welt verändert sich.“
Patrizia Casagranda eröffnet mit ihrer Intervention einen zutiefst menschlichen Zugang zum Ausstellungsthema Einsam.Gemeinsam. Mut zum Sein. Im Zentrum ihrer Arbeiten stehen Mädchen und Frauen – Gesichter aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten, verbunden durch eine stille, universelle Sprache von Würde, Hoffnung und Stärke. Ihre sogenannten Balloon Girls erinnern in ihrer ikonischen Präsenz an urbane Bildwelten der Street Art und treten zugleich in Beziehung zu Frauen aus Afrika, der Ukraine, Indien oder Deutschland. So entstehen Bilder von Freundschaft, von Gemeinschaft und von einem unsichtbaren Netzwerk weiblicher Verbundenheit.
Der Ursprung dieser Werkreihe liegt in Udaipur in Indien. Dort begegnete Casagranda jungen Müllsammlerinnen – Mädchen und Frauen, deren Schönheit, Präsenz und Verletzlichkeit sie nachhaltig berührten. Diese Begegnungen prägen ihre Kunst bis heute. In den Gesichtern ihrer Figuren verdichten sich Fragilität und Widerstandskraft, Trauer und Zuversicht, soziale Wirklichkeit und die Sehnsucht nach Frieden. Gerade aus diesem Spannungsfeld entwickeln die Arbeiten ihre emotionale Intensität.
Casagrandas Kunst versteht sich dabei nicht als bloßes Porträt, sondern als Ausdruck von Stärke, Selbstbehauptung und Verbundenheit. Ein von der Künstlerin gewähltes Zitat beschreibt diesen Ansatz präzise: „Embrace your Power and the whole World changes“ – Umarme deine eigene Stärke und die ganze Welt verändert sich. Veränderung beginnt im Inneren – im Bewusstsein der eigenen Kraft und im Vertrauen in die Möglichkeit von Gemeinschaft. Liebe, Frieden und Menschlichkeit erscheinen hier nicht als abstrakte Begriffe, sondern als konkrete Haltung.
Von besonderer Bedeutung ist dabei das Material. Casagranda arbeitet mit recycelten Stoffen wie Jute, Transportkisten, Kartonagen oder Gips. Aus der ursprünglichen Technik des Siebdrucks kommend entwickelte sie eine eigene, unverwechselbare Bildsprache, bei der die Werke in bis zu zwanzig Schichten entstehen. So entwickeln die Oberflächen eine außergewöhnliche Tiefe und Haptik. Aus der Distanz besitzen die Arbeiten eine starke visuelle Präsenz; aus der Nähe offenbart sich ein vielschichtiges Gefüge aus Struktur, Materialität und feinsten Details. Das Werk wird zu einem Relief aus Erinnerung, Spur und Wirklichkeit.
Im Zentrum der Installation steht eine Transportkiste, an die sich die Arbeit Madonna mit Kind lehnt – ein bewusst gewähltes Bildmotiv. Die Kiste verweist auf Herkunft, Bewegung und globale Verbindungen, zugleich aber auch auf Fragilität und Schutz. Darüber steigen großformatige, mit Helium gefüllte Herzballons scheinbar schwerelos in den Raum der Johanneskirche Düsseldorf empor. Zwischen Sakralraum und Installation entsteht ein Ort der Hoffnung, der Verbundenheit und der stillen Utopie. Die Ballons tragen symbolisch Wünsche und Hoffnungen: die Sehnsucht nach einer friedlichen Gemeinschaft, nach Mitgefühl und Zusammenhalt.
Patrizia Casagranda, deren Arbeiten aktuell auch im Pavillon von Tansania auf der Biennale di Venezia gezeigt werden, verbindet in ihrer Kunst soziale Wirklichkeit mit poetischer Bildsprache. Ihre Werke erzählen von Verletzlichkeit und Stärke zugleich – und von dem Mut, sich selbst und anderen offen zu begegnen.
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“Embrace Your Power – and the Whole World Changes.”
With her intervention, Patrizia Casagranda offers a deeply human response to the exhibition theme Alone. Together. The Courage to Be. At the heart of her work are girls and women – faces from diverse cultural backgrounds, united by a quiet and universal language of dignity, hope and strength. Her so-called Balloon Girls, with their iconic presence, recall the visual vocabulary of urban street art while entering into dialogue with women from Africa, Ukraine, India and Germany. In doing so, they create images of friendship, community and an invisible network of female solidarity.
The origins of this series can be traced back to Udaipur in India. There, Casagranda encountered young waste-pickers – girls and women whose beauty, presence and vulnerability left a lasting impression on her. These encounters continue to shape her artistic practice today. Within the faces of her figures, fragility and resilience, sorrow and hope, social reality and the longing for peace converge. It is precisely from this tension that the works derive their emotional intensity.
Casagranda’s art is not intended merely as portraiture; rather, it is an expression of strength, self-determination and connectedness. A quotation chosen by the artist herself encapsulates this approach: “Embrace your Power and the whole World changes.” Transformation begins within – through an awareness of one’s own strength and a belief in the possibility of community. Love, peace and humanity emerge here not as abstract concepts, but as lived attitudes and practices.
The materiality of the work is of particular significance. Casagranda works with recycled materials such as jute, shipping crates, cardboard and plaster. Originally trained in screen-printing, she has developed a distinctive visual language of her own, creating works that can consist of up to twenty layers. As a result, the surfaces acquire an extraordinary depth and tactile quality. From a distance, the works possess a powerful visual presence; viewed up close, they reveal a complex interplay of texture, materiality and intricate detail. Each work becomes a relief of memory, trace and lived reality.
At the centre of the installation stands a shipping crate against which the work Madonna and Child is positioned – a deliberately chosen motif. The crate alludes to origin, movement and global interconnectedness, while simultaneously evoking ideas of fragility and protection. Above it, large helium-filled heart-shaped balloons appear to float weightlessly into the space of St John’s Church in Düsseldorf. Between sacred architecture and artistic intervention, a place of hope, connection and quiet utopian possibility emerges. The balloons symbolically carry wishes and aspirations: the longing for a peaceful community, for compassion and for solidarity.
Patrizia Casagranda, whose work is currently also being presented in the Tanzania Pavilion at the Biennale di Venezia, brings together social realities and poetic visual language. Her works speak simultaneously of vulnerability and strength – and of the courage to encounter both oneself and others with openness and humanity.
//FR
Embrassez votre propre force – et le monde entier change.