Welle

Licht und Bewegung – dieses Verhältnis greift das Objekt „Welle“ auf, bei der eine Neonkontur in eine Rahmenkonstruktion aus Aluminium gearbeitet ist; es vermittelt den Eindruck einer sich drehenden Lichtwelle, die sich in einer Endlosschleife langsam bewegt. Auf der dahinter liegenden oxidierten Zinkplatte reflektiert das blaue Licht.

Eine meditativ-mystische Anmutung geht von dem Objekt aus; es erzeugt eine sinnliche Atmosphäre, lässt Bilder im Kopf entstehen und wirft Fragen auf: Woher kommt das Licht? Steht es niemals still? Ist das bewegende Licht eine Metapher für neonhelle Gehirnströme?

In Kirchen, in denen das Objekt ausgestellt ist, lädt es zum stillen Betrachten und zur Meditation ein. Assoziationen des „Unbewegten Bewegers“, von dem Aristoteles geschrieben hat, drängen sich auf. Gemeint ist eine göttliche Quelle, auf die alle Bewegungen und Veränderungen zurückzuführen sind.

Die Mystikerin Mechthild von Magdeburg (1207–1282) wiederum hat über das „fließende Licht der Gottheit“ geschrieben. Licht und Bewegung erscheinen bei ihr als eine Metapher für das Göttliche. Wie das Licht bekomme man Gott nicht zu fassen – und doch sei es in sich verändernder Form präsent.

Wer lange genug auf die Welle schaut, dem mögen Lichter aufgehen. Oder aber man erfreut sich ganz einfach an der Schönheit des Lichts, das für sich genommen Grund genug ist, um ausgestellt zu werden.

Ein Werk von molitor & kuzmin