Shine on …

Das englische Wort „shine“ hat im Deutschen mehrere Bedeutungen. Es kann mit Glanz, Schein, Brillanz, Strahlen oder Leuchten übersetzt werden. Der Titel der Lichtinstallation „Shine on …“ lässt sich daher auch als Aufforderung verstehen: „Leuchte weiter“ oder „Leuchte auf“. Offen bleibt, ob das leuchtende Objekt oder der Betrachter das Licht weitergeben soll – möglicherweise auch beide.

Die Installation besteht aus Verstrebungen von Baugerüsten und Leuchtstoffröhren, die an den meisten Ausstellungsorten an Kirchportalen angebracht sind. Die Verstrebungen rahmen Eintrittspforten in die Welt des Sakralen oder aus ihr hinaus. Die dekonstruktivistische Anordnung des Gerüstes und die Anmutung einer Baustelle verweist auf die Ambivalenz von Fragilem und Stabilen. Das Orthogonale und Ordentliche wird aufgebrochen.

Das Licht der Leuchtstoffröhren erscheint in einem Blauton, der an Zyanblau erinnert, in der Natur kaum vorkommt und auf Übernatürliches hindeutet. Häufig steht die Farbe Blau in der Kunst für das Ferne, für Vertiefung und das Geistige. In seiner Abhandlung „Über das Geistige in der Kunst“ (1912) schreibt der Künstler Wassily Kandinsky daher: „Je tiefer das Blau wird, desto mehr ruft es den Menschen in das Unendliche, weckt in ihm die Sehnsucht nach Reinem und schließlich Übersinnlichem. Es ist die Farbe des Himmels, so wie wir ihn uns vorstellen bei dem Klange des Wortes Himmel.“

Ein Werk von Christoph Dahlhausen