„Nur Licht kann das“

 „Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben; nur Licht kann das. Hass kann Hass nicht vertreiben; nur Liebe kann das.“

Martin Luther King (1929–1968)

 

In diesem Jahr, 2019, hätte der US-amerikanische Baptistenpastor und Bürgerrechtler Dr. Martin Luther King seinen 90. Geburtstag gefeiert. Ihn zähle ich zu den wichtigsten Vertretern im Kampf gegen die Unterdrückung und für soziale Gerechtigkeit. King predigte Gewaltlosigkeit und die Gleichwertigkeit eines jeden Menschen. Dafür wurde er mehrfach angegriffen. Er überlebte mindestens ein Bombenattentat und wurde mehr als 30 Mal inhaftiert. Am 4. April 1968 wurde er in Memphis, Tennessee, erschossen. Doch von dem Licht, der Liebe und den Erfolgen seines Wirkens zehren wir noch heute.

Seine Worte und seine Haltung sind mir Ansporn und Kompass in diesen Zeiten, in denen wir uns unserer Werte wie Würde und Gerechtigkeit wieder versichern müssen. Und sie stimmen mich dankbar für das Licht, das ich vielerorts in der Evangelischen Kirche im Rheinland wahrnehme. Das sind zum Beispiel hoffnungsstiftende Gottesdienste; Engagierte, die Geflüchtete begleiten und ihre Stimme erheben für mehr Mitmenschlichkeit; Weihnachtsfeiern mit Obdachlosen und die vielen, die sich für eine kurze oder lange Zeit ehrenamtlich in unseren Kirchen einbringen. Als seien sie selbst „Lichter in der Welt“, von denen Paulus schreibt. (Philipper 2,15)

Die sieben Künstlerinnen und Künstler der Wanderausstellung 2019 „und … Licht“ sind allesamt Expertinnen und Experten für Licht, Wahrnehmung und Gestaltung. Unser Dialog begann mit einem Vorbereitungstreffen im Sommer 2018.

Entstanden ist eine Ausstellung, die den Dialog mit Besucherinnen und Besuchern sucht: ein Dialog, der Gewissheiten hinterfragt und hellhörig macht. Wenn sich das Licht bricht und das ganze Spektrum der Farben sichtbar wird, öffnet sich der Blick auf das facettenreiche und frohe Leben. Im Licht besehen, treten Gewissheiten klar und deutlich hervor, bunt und vielfältig.

Aber es gibt auch die Momente, in denen Finsternis und Dunkelheit herrschen, sich die Lebenskreise immer enger ziehen, „leise, leise“, wie Theodor Fontane in seinem Gedicht „Ausgang“ schreibt: Es „schwindet Hoffen, Hassen, Lieben. Und ist nichts in Sicht geblieben als der letzte dunkle Punkt“.

Finsternis also. Vielleicht braucht sie der Funke, um Licht zu werden. „Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe“, heißt es im Evangelischen Gesangbuch (673). Als Christinnen und Christen vertrauen wir darauf, dass wir den Weg aus der Dunkelheit finden – in eine Welt, in der Gewaltlosigkeit, Liebe und Gerechtigkeit dominieren. Martin Luther King, eine Lichtgestalt, ist für solch eine Welt eingetreten. Und daran wollen wir anknüpfen, um selbst Licht der Erde zu werden.

Ich wünsche Ihnen viel Freude bei der Ausstellung und mit diesem Katalog. Ganz herzlich möchte ich mich bei den Künstlerinnen und Künstlern für ihre kreativen und besonderen Werke bedanken, die sie für die Wanderausstellung geschaffen haben.

Foto: Eric Lichtenscheidt

Ihr

Manfred Rekowski,

Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland