aeon

Plötzlich ist er da, wie aus dem Nichts erschienen, gar auferstanden? Oder war er nie fort? Die Fotografie von Konstantinos Angelos Gavrias zeigt ein Selbstporträt des Künstlers. Aus der Ferne ist eine mattweiße Fläche zu sehen, konturlos, ohne Zeichnung. Erst aus der Nähe, unter besonderem Lichteinfall, treten die Umrisse eines Mannes hervor, der den Betrachter aus einer anderen Sphäre anzuschauen scheint. Als würde er aus dem Rahmen fallen und vom Jenseits in die diesseitige Welt eintreten.

Der Titel des Werkes verweist auf das griechische Wort „aeon“, das im Deutschen unterschiedliche Bedeutungen hat und unter anderem übersetzt werden kann als Lebenszeit, Leben, Zeit, Zeitraum oder Ewigkeit. Nach Angaben des wissenschaftlichen Bibellexikons der Deutschen Bibelgesellschaft übersetzte Martin Luther „aeon“ 37 Mal mit „Welt“ und 75 Mal mit „Ewigkeit“ oder „ewig“ beziehungsweise „ewiglich“; je einmal verwendete er das Wort „Lauf“, „vorzeiten“ und „Zeit“.

Im christlichen Kontext wird „aeon“ oft mit apokalyptischen Implikationen verwendet. Etwa in der Verkündigung Jesu vom anbrechenden Reich Gottes. „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen“, heißt es im Markusevangelium (1,15), wobei „aeon“ in diesem Fall mit „Zeit“ übersetzt wurde. „Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“, steht im gleichen Bibelvers.

Wie eine mahnende Erinnerung an den nahenden Messias erscheint Gavrias Werk in diesem Kontext. Oder als Forderung, sich im Hier und Jetzt für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.

Ein Werk von Konstantinos Angelos Gavrias