2+1

Das Objekt besteht aus Betonplatten, in die runde Öffnungen eingearbeitet sind. Leuchtringe umgeben die drei bullaugenförmigen Öffnungen, durch die Betrachter hindurchschauen können. Die Ringe sind asymmetrisch zueinander angeordnet und treten leicht erhaben aus dem Beton hervor. In die massiven Betonplatten sind Moniereisen eingearbeitet, deren Enden aus den Platten herausragen. Teilweise entsteht der Eindruck von Kreuzen, die das Werk umgeben.

Im Kontext der Kirchen als Ausstellungsorte tritt das Werk in Bezug zur christlichen Dreieinigkeitslehre, nach der sich Gott in drei Gestalten zeigt: als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Wenn Gott aber in drei Seinsweisen existiert, warum ist ein Leuchtring separat auf einer Betonplatte platziert – abgetrennt von den anderen beiden Ringen? Hat sich der Vater vom Sohn gelöst? Geht der Heilige Geist seinen eigenen Weg? Zerfällt die Dreieinigkeit? Das deuten die Brüche und Risse im Beton an.

Alle drei Ringe haben den gleichen Durchmesser und strahlen gleichermaßen hell im Licht; ein Hinweis auf ein gleichberechtigtes Nebeneinander. Es entsteht der Eindruck, als schauten die Bullaugen den Betrachter unmittelbar an. Die Ringe sind durchsichtig. Immaterielles und Materielles treten in Beziehung zueinander.

Aufgrund der rauen und einfachen Materialien erinnert das Objekt an Werke der „Arte Povera“ – eine stilprägende Richtung der Nachkriegskunst in Italien, bei der ärmliche Materialien sowie Alltagsmaterialien künstlerisch verwendet werden.

Ein Werk von molitor & kuzmin